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Uganda-Bericht 2019 – Ausflug zum Weißen Nil

Von Jens, 16.11.2019
Uganda-Bericht 2019 – Ausflug zum Weißen Nil

Namaganda, 16. 11. 2019 (English) Ina hatte letzte Nacht eine Begegnung mit wilden Tieren. Also, mit einem wilden Tier. Genauer, ein Frosch ist in ihre Hütte gehüpft und war nur schwer davon zu überzeugen, die Örtlichkeit wieder zu verlassen. Zum Frühstück gibt es heute zusätzlich zu Kartoffeln und Spaghetti auch Weißbrot. Raphaela holt sofort ein weiteres Glas Honig und ergänzt das Frühstücksbuffett. In der Folge entwickelt sich Weißbrot mit Honig zu einer beliebten Kombination bei den Kindern und Lehrern, die mit uns zusammen essen. Es kommt uns vor, als wären wir schon eine Woche hier, dabei ist es erst unser dritter Tag in Uganda.

Heute ist ein Ausflug zum Nil geplant. In Jinja am Viktoria See, Ugandas zweitgrößter Stadt, entspringt der Weiße Nil und fließt grob 100 km nördlich, um dann im Kyoto See nach Westen Richtung Albertsee abzuknicken. Kamuli liegt etwa 15 km Luftlinie östlich des Nils. Der hier Viktoria Nil genannte Abschnitt ist ein Hotspot für Wassersport. Beliebt ist dort Wildwasserrafting, und obwohl wir das nicht mitmachen wollen, versprechen doch die dafür notwendigen Stromschnellen einen imposanten Anblick. Soweit der Plan.

Auf dem Weg dorthin nutzen wir eine Abkürzung. Von der Hauptpiste Richtung Kamuli zweigen wir auf halber Strecke links ab. Der Weg ist tatsächlich kürzer, aber keinesfalls schneller. Eddys Vater muss an verschiedenen Stellen sein Fahrkönnen beweisen und durch schlammige Mulden manövrieren. Ich frage mich, wie er das macht, habe ich mich doch auf besseren Wegen schon gnadenlos festgefahren. Später erfahre ich, dass der Wagen Allradantrieb hat. Okay, das hilft, doch ansonsten verfügt das Auto über keinerlei Geländeausstattung, keinen Unterfahrschutz, kleine Räder mit normalen Straßenreifen und nur geringe Bodenfreiheit.

Anschließend fahren wir auf der gut ausgebauten Straße Kamuli Jinja bis an den den Stadtrand Jinjas, um nach einer kurzen Pause wieder nach Norden zu fahren, parallel zum Nil. Vom Fluss ist nichts zu sehen. Durch einige Staudamm-Projekte zur Stromgewinnung mussten die Wildwasserrafting-Aktivitäten immer weiter nach Norden ziehen. Eddy und Daddy scheinen diese Gegend auch nicht so gut zu kennen. Immer weiter fahren wir die mittelprächtige Staubpiste, unterstützt durch die in Uganda wenig zuverlässigen Google Maps, und wir haben die Eindruck, dass unsere beiden einheimischen Begleiter auch nicht so richtig wissen, wo wir hin wollen.

Doch plötzlich kommen wir an eine Schranke, zahlen 162.000 UGX (drei Muzungus je 54.000 UGX, Einheimische sind frei), und dann sehen wir vom Parkplatz die Schlucht, die der Nil in die Landschaft gegraben hat und die ersten Schaumkronen der Stromschnellen. Wir sind an den Itanda Falls, den höchsten und heftigsten Stromschnellen am Viktoria Nil. Hier kommen weder Rafting-Schlauchboote, noch Kajaks durch. Die müssen an dieser Stelle umgetragen werden. Die schäumenden Wassermassen sind beeindruckend. Man kann bis dicht ans Wasser klettern. Stundenlang könnte ich den brodelnden Strom anschauen, doch unser obligatorischer Guide möchte uns auch den Rest dieses tollen Platzes zeigen. Der Pfad ist nicht immer einfach, besonders für Ina mit ihren Gelenkproblemen, doch sie meistert das prima.  Immer neue Ausblicke und noch wildere Abschnitte der tobenden Wassermassen tun sich vor uns auf. Mein Fotoapparat glüht.

Nach einem kurzen Hohlweg, vorbei an einem Termitenbau, gelangen wir auf eine gemütliche Wiese unterhalb der Fälle. Unter einem angenehm schattenspendendem Dach preist unser Guide uns eine Bootsfahrt mit allerlei Attraktionen an. Die Idee, uns nach der Krakselei ein wenig schaukelnd auszuruhen gefällt uns allen. Wir entscheiden uns für die kürzere Tour für 125.000 UGX und sitzen kurz darauf mit Schwimmwesten gesichert in einem kleinen Boot und genießen die andere Perspektive auf die Itanda Falls und die schöne und spannende Landschaft drumherum.

Am anderen Ufer legen wir in einer kleinen Felsenbucht an. Da wir für die nächsten Highlights richtig über Felsen klettern müssen, lassen wir Ina beim Bootsführer zurück. Unser Guide zeigt uns auf irgendeine Art heilige Steine, die unter Planen vor dem Sonnenlicht geschützt werden müssen (so ganz haben wir die Zusammenhänge allerdings nicht verstanden) und eine Höhle, wo die Fischer kleine Tongefäße für einen besseren Fang opfern. Dann geht es durch eine Höhle, in die ich trotz einiger Warnungen bzgl. meiner Körperfülle mutig hineinkrabbele. Glücklicherweise fällt mir noch die Geschichte von Homer Simpson im Aquapark ein, und ich rutsche noch vor der engsten Stelle zurück. Toll ist auch der Blick von dieser Seite des Flusses. Gegenüber auf einer Insel mitten in den Stromschnellen liegt spektakulär die Lema Wild Water Lodge (Doppelzimmer ab 510 $...).

Damit Ina nicht zu lange auf uns warten muss, sparen wir uns den Weg ganz nach oben und kehren zum Boot zurück. Ina hat sich offensichtlich bestens mit dem Bootsmann unterhalten und einiges von seinen Lebensumständen erfahren. Langweilig war ihr nicht. Wir klettern wieder ins Boot und machen uns auf den Rückweg. Um die Spannung ein wenig zu erhöhen, steuert unser Bootsführer sein Gefährt noch ein paar Mal direkt in die Stromschnellen. Wir sind teilweise mitten im sprudelnden Nass, haben aber volles Vertrauen in das Boot und den Steuermann. Sicher gelangen wir zum Ausgangspunkt zurück. Zum Ausklang gehen wir nochmal zu dem Platz oben an den Fällen und lümmeln uns so bequem wie möglich auf Felsen unter Schatten spendenen Bäumen.

Schließlich wird es Zeit, an den Heimweg zu denken. Um den Umweg über Jinja zu sparen, versuchen wir einen Weg direkt Richtung Osten zur Straße nach Kamuli zu finden. Das gelingt auch soweit, aber nach etlichen Kilometern bietet der Weg ein weiteres Abenteuer. Das bescheidene Schild am Wegesrand "Men at work" kündigt eine Baustelle an. Kurz darauf sehen wir von weitem einen großen, gelben Bagger, der in einem See steht. Nur, dass dieser See eigentlich unsere Straße ist, die auf über einen Kilometer komplett überflutet ist. Teilweise ist bereits der Lehmboden des Straßenbelags weggespült und nur noch Kies und Steine als Weg erkennbar (immerhin ist sowas ähnliches wie ein Weg erkennbar). Also, ich wäre da mit einem Geländewagen nur durchgefahren nach einer gründlichen Inspektion der Route zu Fuß, inkl. Nachmessen der nötigen Wattiefe und Überprüfung der Bodenfreiheit. Eddys Dad fährt nach einem kurzen Blick vom Fahrersitz los. Uns stockt der Atem. Vorsichtig und langsam manövriert Daddy das Auto holpernd durch die Fluten. Ein Bauarbeiter kommt uns zu Hilfe und dirigiert uns über den steinigen Weg. Unzählige Male bieten wir an, den Wagen zu verlassen (schließlich bringt allein meine Person bestimmt 3 cm mehr Bodenfreiheit!). Aber Daddy ist unerbittlich, auch zum Auto. Krachend holpern wir über so manchen Felsbrocken. Wir erwarten jede Sekunde steckenzubleiben.

Doch nichts dergleichen passiert. Ruhig und geschickt steuert Eddys Dad sein Gefährt durch alle Hindernisse. Unter unserem Jubel erreicht er wieder festen Boden. Leider gibt es keine Fotos dieser Situation. Erst später bei vergleichsweise kleinen Pfützen machen wir ein paar Aufnahmen. Die Schule in Namaganda erreichen wir ohne weitere Zwischenfälle. Nach der Aufregung duschen wir erstmal und stellen fest, dass man mit den zur Verfügung stehenden MItteln auch gut Haare waschen kann.

Nach dem Abendessen findet noch eine weitere Fragerunde der Kinder an die Besucher aus Deutschland statt. Toll, was den Kleinen noch alles einfällt, uns zu fragen. Besonders Joel kann gar nicht mehr aufhören uns zu löchern. Hoffentlich haben wir alles einigermaßen richtig beantwortet.

Den Tag lassen wir in gemütlicher Runde unter funkelnden Sternen ausklingen. Besonders gefreut hat uns, dass sowohl Eddy, als auch sein Vater noch nie die heute besuchten Itanda Falls gesehen hatten und es den beiden genauso gut gefallen hat wie uns.

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